Thursday, September 17, 2009

USA: Tauschhandel statt Geld für medizinische Behandlung...

Und Obama scheint ja mit seiner Gesundheitsreform auf Widerstand zu stoßen…

Gefunden bei tagesschau.de:

Tauschringe im US-Gesundheitswesen

“Biete Gartenarbeit für neue Brille”

In den USA werden bizarre Tauschhandel immer beliebter: medizinische Behandlungen gegen Dienstleistungen aller Art. Hinter diesen Deals verbergen sich oft tragische Schicksale. Sie sind für viele schlecht oder gar nicht krankenversicherte US-Amerikaner die einzige Chance.

Von Sabine Müller, HR-Hörfunkstudio Washington

Ganz egal, welche der etwa 400 registrierten Internet-Tauschbörsen in den USA man zurzeit anklickt, Anfragen zur Ware Gesundheit sind ganz klar auf dem Vormarsch: “Suche Zahnbehandlung, biete Teppichlegen / Tausche Chiropraktiker-Service gegen Abendessen / Heilmassagen gegen Geigenunterricht / Biete Gartenarbeit für neue Brille.”

Es sind die vielen unversicherten und unterversicherten US-Amerikaner, die auf diesem Weg versuchen, ihre Gesundheitsversorgung zu organisieren. Und es sind Menschen, bei denen wegen der Wirtschaftskrise das Geld knapp ist und die ihre Arztrechnungen auf andere Weise zahlen wollen. Gehandelt wird per direktem Tausch oder in einem professionell organisierten Tauschring mit eigener Währung.

Menschliche Dramen zwischen den Zeilen

Steve White ist Geschäftsführer der Firma ITEX, einer Tauschbörse, in der 24.000 Unternehmen bargeldlos handeln. White sagt, der medizinische Bereich sei zuletzt um fast 50 Prozent gewachsen: “Wir haben hier um die 500 Anbieter und der Handel beläuft sich monatlich auf den Gegenwert von etwa einer Million Dollar. Meist geht es um Zahnbehandlungen.”

In den USA ist es generell erlaubt, mit medizinischen Leistungen Tauschhandel zu betreiben. Aber alle Tauschgeschäfte, bei denen es um Behandlungen im Wert von mehr als 600 Dollar geht, müssen dem Finanzamt gemeldet werden.

Hinter vielen Such-Anzeigen verbergen sich menschliche Dramen. Crist aus Texas etwa sucht eine Hebamme. Niemand will seine schwangere Verlobte versichern, weil sie Vorerkrankungen hat. Als Gegenleistung bietet Crist sein Können als Schreiner und Zimmermann an. Oder Dee aus Atlanta, die nach drei Kindern dringend eine Bauchstraffung möchte, um für ihren Mann wieder attraktiv zu sein. Sie würde als Empfangsdame arbeiten.

Job im Krankenhaus – für eine OP

Mittlerweile gibt es ganze Krankenhäuser, die einen Tauschservice anbieten. “More than Money” – Mehr als Geld – heißt es im Gesundheitszentrum in der Kleinstadt Goshen in Indiana. Bedürftige Patienten können hier kleine Jobs erledigen und werden im Gegenzug medizinisch behandelt. Die schwangere 15-jährige Stephanie etwa macht Büroarbeit, um für die Vorsorge-Untersuchungen zu zahlen.

James Gingerich, der Gründer des Gesundheitszentrums, sagt: Wir geben den Leuten die Chance, ohne Schamgefühl zum Arzt zu gehen, sie müssen keine Almosen annehmen. Mancher Arzt wird für seine Bereitschaft zum Tauschhandel mit neuen Patienten belohnt. Zum Beispiel Augenarzt Dr. Joe Mejia aus der Nähe von Chicago, der Mitglied in einem professionellen Tauschring ist: “Der Tauschhandel bringt eine neue Klientel in die Praxis. Ich habe Patienten, die von ziemlich weit her kommen, um den ‘Tausch-Doktor’ zu sehen. Das sind Menschen, die normalerweise nicht zu mir gekommen wären.”

Der Trend zum Tausch mit der Ware Gesundheit dürfte so schnell nicht abflauen. Denn selbst wenn es eine Gesundheitsreform gibt, zeichnet sich doch ab, dass auch danach noch Millionen Amerikaner ohne Krankenversicherung sein werden.

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